Erfahrungsbericht – Eignungstest der Feuerwehr Berlin, Gehobener Dienst („112 Bachelor“)

November 2018

Im Folgenden ein Erfahrungsbericht zum Auswahlverfahren im gehobenen Dienst.

Die Bewerbung bei der Berliner Feuerwehr läuft ausschließlich online über das Bewerberportal der Stadt bzw. der Branddirektion. Das Verfahren ist unkompliziert und übersichtlich. Eine Bestätigung über den Eingang der Bewerbung erhält man per Email.

Circa zwei Wochen nach Bewerbungsschluss erhielt ich von der Berliner Feuerwehr eine E-Mail mit einem Link zu einem Online-Test. Dessen Module konnten einzeln bearbeitet werden, man musste sie nicht alle auf einmal ablegen.

1. Der Online-Test

Berufliches Verhalten (15 Min.)
Dieses Modul beinhaltet ca. 50 Blöcke mit je 3 Aussagen, auf die je Block insgesamt 6 Punkte je nach persönlicher Gewichtung verteilt werden mussten (Wie wichtig ist mir diese Aussage bzw. wie stark trifft sie auf mich zu?). Die Verteilung der Punkte ist nicht beschränkt und man muss auch nicht alle 6 Punkte je Block vergeben. Inhaltlich waren die Aufgaben z.B. dieser Art (nicht wörtlich):

„Ich mag es, Verantwortung für eine Gruppe zu übernehmen“ bzw. „Ich übernehme gerne die Führung“, „Teamarbeit ist mir wichtig“, „Im Wettbewerb blühe ich auf“, „Es ist mir wichtig, im Wettbewerb der beste zu sein“ usw. Manche Aussagen kamen in teilweise anderer Formulierung mehrmals im Test vor, es wird also auch darauf geachtet, wie konsequent man vorgeht.

Berufliches Interesse und Motive (15 Min.)
Selbiges Vorgehen wir bei Modul 1, Inhalte der Aussagen waren z.B. „Mir ist wichtig, dass sich Mehrarbeit finanziell auszahlt“, „Besondere Leistungen sollen gewürdigt werden“, „Im Team muss eine lockere und humorvolle Atmosphäre herrschen“, „Es darf keinen Streit am Arbeitsplatz geben“, „Der Arbeitsplatz muss ansprechend gestaltet sein“ usw.

Numerisches Schlussfolgern (12 Min.)
Dem Prüfling werden in verschiedenen Themen Details zu einer fiktiven Firma präsentiert, z.B. Marktanteile, Aktienwerte, Personalzahlen. Anhand dieser Informationen müssen Aussagen mit „Wahr“, „Falsch“ oder „Unbestimmt“ bewertet werden. Die Information jeder Aussage bezieht sich dabei immer auf eine Kategorie (Tab), sodass die Quelle i.d.R. leicht zu finden ist. Um die 60 Aussagen waren zu bestimmen, wobei in den vorgegebenen 12 Minuten nicht alle schaffbar sind. Das wird auch in der Einführung dieses Tests so kommuniziert.

Verbales Schlussfolgern (12 Min.)
Selber Aufbau wie Modul 3, jedoch stehen hier verbale Informationen im Vordergrund, z.B. Aussagen zur Firmenstrategie oder zum Werdegang einzelner Mitarbeiter.

Induktiv-logisches Denken (12 Min.)
Hier wird das Erkennen von Regeln und Zusammenhängen überprüft. Der Test enthält mehrere Tabellen bzw. Rauten, die mit Ziffern und Buchstaben gefüllt sind. Man muss die Regeln entdecken, mit denen sich jeweils zwei Kategorien bilden lassen um dann weitere Tabellen bzw. Rauten den vorgegebenen zuordnen zu können, z.B: „Jeweils gleiche Anzahl von Ziffern und Buchstaben“ oder „Alle Ziffern in Kategorie 1 sind größer als 5, die in Kategorie zwei kleiner als 5“.

Reaktionsfähigkeit (3 Min.)
Hier gilt es, in einer Abfolge von zwei gegenüberstehenden einfachen geometrischen Symbolen möglichst schnell die Duplizität zu erkennen. D.h., sobald zwei gleiche Symbole erscheinen, muss geklickt werden. Zur Ablenkung bewegen sich zwischen den zwei Symbolen zwei „Schieberegler“, die sonst aber keine Funktion im Test haben.

Es geht um Schnelligkeit, denn erscheinen zwei gleiche Symbole und der Prüfling reagiert nicht, bleiben diese so lange stehen, bis er es tut. Nach einer gewissen Zeit aber endet der Test und man muss von vorne beginnen (laut Anleitung). Man erhält hier im Gegenteil zu den Testbereichen 1-5 hier sofort Feedback, ob die einzelne Lösung richtig oder falsch ist.

Multitasking-Fähigkeit (5 Min.)
Hier gilt es, schnell und gleichzeitig drei verschiedene Aufgaben zu lösen:
1. Richtung eines Dreiecks aus einer Reihe von Symbolen bestimmen
2. Eine einfache mathematische Gleichung als RICHTIG oder FALSCH markieren (z.B. 3+5+8+1=16)
3. In einer Reihe von Zahlen bestimmen, ob eine Zahl doppelt vorkommt oder nicht (z.B. 1 3 5 7 3 0 2)

Nachdem eine Aufgabe gelöst wurde, dauert es kurz bis an ihrer Stelle eine neue erscheint. Man erhält hier auch hier sofort Feedback, ob die einzelne Lösung richtig oder falsch ist.

Fazit: Der Test ist durchaus anspruchsvoll, aber machbar. Wirklich vorbereiten kann man sich darauf nicht. Ich hatte ein Zeitfenster von gut 10 Tagen (Vorgabe einer Deadline), um die Aufgaben zu absolvieren. Man muss nicht den ganzen Onlinetest auf einmal machen, was ich auch nicht empfehle, da die Bearbeitung viel Konzentration abverlangt.

Vor allem nach den Aufgaben 6 und 7 brauchte ich erst mal eine kurze Verschnaufpause. Wichtig ist aber trotzdem, bei der Bearbeitung für eine ruhige und ungestörte Atmosphäre zu sorgen. Ein begonnenes Testmodul muss nämlich zu Ende geführt und kann nicht neu gestartet werden! Die technischen Voraussetzungen für den Test sind jeweils aktuelle Versionen des Firefox-Browsers sowie des Adobe Flash Players.

2. Der Eignungstest im Rahmen des Auswahlverfahrens

Hatte man im Online-Test eine ausreichende Leistung erzielt, erhielt man eine Einladung zum Auswahlverfahren bzw. Einstellungstest an der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie (ca. 10 Tage nach Fristende des Online-Tests). Hierzu hatte man die Möglichkeit, sich zwischen 4 Terminen/Tagen zu entscheiden und seine Wahl mittels Klick auf den jeweiligen Link in der Email zu buchen. Insgesamt war je Bewerber also 1 Tag angesetzt. Die Einladung erhielt auch eine recht detaillierte Beschreibung des Tagesablaufs und der zu erbringenden sportlichen Leistung.

Zu erscheinen hatte man an diesem Tag dann um 6:45 Uhr an der BFRA in Berlin-Heiligensee. Parken kann man nicht auf dem Gelände, ich fand um diese Zeit aber leicht einen freien Parkplatz entlang der Ruppiner Chausee. Ich hatte dann ca. 3 Minuten Fußweg zur Pforte. Dort kontrollierte der Pförtner Einladungsschreiben und Ausweis. Eine Mitarbeiterin der Branddirektion holte die Bewerber von dort ab und verteilte Besucherausweise für das Auswahlverfahren.

2.1 EDV-Test

Anschließend wurden alle Bewerber in einen Raum mit mehreren PCs geführt. Jedem wurde ein Arbeitsplatz zugeteilt. Jeder erhielt einen Zugang zum EDV-Test, der überraschenderweise aus den gleichen Aufgaben bestand wie der Online-Test, den man zuhause durchführen musste. Die Punkte „Berufliches Verhalten“ und „Berufliches Interesse und Motive“ wurden hier nicht mehr abgeprüft, sodass lediglich die anderen 5 Module zu bearbeiten waren (s.o.). Die Zeitvorgabe war ähnlich und die Reihenfolge der Tests konnten die Bewerber selbst festlegen.

2.2 Der Sporttest

Nach ca. einer Stunde war der Computer-Test beendet und die Bewerber wurden wieder in ein anderes Gebäude gebracht. Unterm Dach fand sich dort der recht großzügige und gut ausgestattete Sportbereich. Hier konnten sich die Bewerber umziehen und wurden dann aufgeteilt, alles in allem hatte aber jeder die gleichen Aufgaben zu absolvieren:

1. Schwebebalken-Test („Koordinationstest“): Mittig auf einem Schwebebalken war ein Ball platziert, am anderen Ende ein Gewicht von ca. 10kg. Man musste zu diesem hin balancieren (wobei Wert darauf gelegt wird, das Hindernis in der Mitte zu ÜBERsteigen), das Gewicht aufnehmen, zurückbalancieren und das ganze wieder retour. Man hat 90 Sekunden Zeit und zwei Versuche, falls man stürzt. Die Zeit ist völlig ausreichend, es gibt nämlich auch keinen Bonus, wenn man schneller ist. Man kann sich also Zeit lassen und die Übung konzentriert absolvieren.

2. Kraft-Test: Am Lat-Zug (vor dem Kopf) mussten 40kg mindestens 20-mal bis unters Kinn gezogen werden, auf der Brustpresse ging es um mindestens Wiederholungen mit 30kg. Die Maximalzahl liegt jeweils bei 50 Wiederholungen, hier bricht der Prüfer ab (beste Leistung erreicht).

3. Spirometrie-Test: Auf einem Ergometer sitzend erhält der Bewerber eine Silikonmaske, mit deren Hilfe die Ausatemluft unter Belastung gemessen und analysiert wird. Die Maske hat keinen Atemwiderstand, behindert also nicht beim Atmen. Ein Vollbart wäre jedoch hinderlich für diesen Test und müsste vorher entfernt werden (wird im Einladungsschreiben bekannt gegeben). Mit steigender Belastung werden also die Sauerstoffaufnahmefähigkeit und Herzfrequenz gemessen. Der Test endet mit Erreichen des Maximalpulses, er dauert max. ca. 15 Minuten – je nach Leistungsfähigkeit.

4. 3000m-Lauf: Zum Schluss geht es auf eine Aschebahn im Freigelände, wo jeder Bewerber für die 3000m 9 Runden laufen muss. Die Prüfer geben die Zwischenzeiten nach jeder Bahn sowie die Geschwindigkeit alle 1000m an. Man muss die 3000m in 16:30 Min schaffen. Hier ist ein schnelleres Erreichen des Ziels ein Bonus, ein Nicht-Erreichen ist ein Ausschlusskriterium. Auch das Stehenbleiben und Pausieren würde zur Disqualifikation führen.

2.3 Das Strukturierte Interview – Bewerbungsgespräch

Nach dem Sporttest hat man Zeit, sich zu duschen. Danach werden alle in einem Warteraum (Bibliothek) gesammelt. Die Bewerber wurden in Kleingruppen aufgeteilt, von denen nach und nach jeder erst zum Interview, dann alle zusammen (wir waren 3) zum Gruppensituationstest geholt wurden.

Das Interview begann mit einer kurzen Selbstvorstellung. Hierzu hatte man maximal 5 Minuten Zeit und man konnte ein Flipchart als Hilfestellung nutzen. Anschließend wurde man durch die Kommission (zwei Frauen, zwei Männer) befragt. Die Fragen drehten sich vor allem um persönliche Motive und Ziele (z.B. „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“). Nach den Fragen musste man noch ein Rollenspiel mit einer Person, die nicht zur Prüfungskommission gehört, durchführen. Es ging um eine Konfliktsituation in einer Firma, die man als Vorgesetzter im Gespräch mit einem Mitarbeiter klären muss. Der Sachverhalt ist nicht speziell, einfach und gut vorzubereiten (hierzu hat man ein paar Minuten Zeit).

2.4 Gruppensituationstest

Hier galt es, zusammen in der Gruppe zu diskutieren und zur Lösung des Sachverhaltes zu kommen. Dieser handelte kurz gesagt von der Versetzung von Mitarbeitern in andere Dienststellen. Jeder Bewerber hatte dabei bestimmte Interessen durchzusetzen (z.B. Mitarbeiterin A zu behalten), die den anderen Bewerbern nicht bekannt waren. Der Gruppensituationstest dauerte insgesamt ca. 30 Minuten.