Erfahrungsbericht – Einstellungstest Berufsfeuerwehr Frankfurt, Gehobener Dienst

November 2018

Auch dieser Bericht wurde uns von einem netten Bewerber zugesandt. Aus persönlichen Gründen wollte eher anonym bleiben.

Die Branddirektion hatte im Juli/August 2018 Stellen für Brandoberinspektoranwärter ausgeschrieben. Bewerben konnte man sich klassisch mit einer Bewerbungsmappe oder per Email. Rund 4 Wochen nach der Bewerbung wurde ich zum Auswahlverfahren eingeladen. Man hatte sich am 7. November um 8 Uhr zum „Assessment-Center“ und anschließendem Sporttest im FRTC (Firefighter Safety Research Institute) in Frankfurt einzufinden. Sollte dieser Tag bestanden sein, so würden am folgenden Tag Gespräche mit den Bewerbern stattfinden. Am ersten Tag hatten sich dann rund 30 Bewerber eingefunden. Sie wurden vom Amtsleiter selbst begrüßt und dann in sechs Gruppen zu je fünf Personen aufgeteilt.

1. Assessment-Center – Theoretischer/Schriftlicher Teil

Diese sechs Gruppen hatten im Laufe des Vormittags jeweils drei Stationen gemeinsam zu durchlaufen (jede Station gab es zweimal, sodass alle Teilnehmer bis zum Mittag fertig waren). Jede Station dauerte ca. eine Stunde. Folgende Aufgaben mussten im theoretischen Test (Assessment-Center) von den Teilnehmern gelöst werden:

  • Budgetverteilung: In einer fiktiven Stadt steht ein Geldbetrag zur Verfügung, der auf Bürgerinitiativen aufgeteilt werden soll, und zwar in kleiner werdenden Beträgen. Jeder Teilnehmer vertritt eine Bürgerinitiative (z.B. Jugend, Senioren, Sport) und soll in der Gruppendiskussion für seine Initiative den größtmöglichen Betrag rausholen. Das Ergebnis muss den zwei „Prüfern“ im Raum im Anschluss vorgestellt werden.
  • Gruppendiskussion: Hier sitzen alle Bewerber der Gruppe zusammen an einem Tisch. Von einem Mitglied der Auswahlkommission wurde uns dann reihum Fragen zum Thema „Team“ gestellt (z.B. Was sind die Grenzen von Teamarbeit? Gibt es bestimmte Rollen in einem Team? usw.). Jeder Bewerber hatte der Reihe nach Gelegenheit, sich zu den insgesamt ca. fünf Fragen zu äußern. Am Schluss musste die Gruppe die Ergebnisse des Gesprächs gemeinsam visuell zusammenfassen und durch einen Bewerber der Teil-Kommission vorstellen.
  • Konfliktgespräch: Diese Aufgabe musste allein bewältigt werden. Man ist mit drei „Prüfern“ im Raum, von denen einer die Rolle des Vorstands eines Sportvereins übernahm. Man selbst bekommt die Rollenbeschreibung eines Fußballtrainers, der sich gegenüber dem Vorstand rechtfertigen muss, warum er im letzten Spiel bestimmte Spieler nicht aufs Feld ließ. Damit war zwar das Spiel gewonnen, jedoch liegen Beschwerden der nicht eingesetzten Spieler vor. Vorbereitung und Gespräch dauern pro Person 10-15 Minuten.

mündlicher und schriftlicher Einstellungstest Feuerwehr

Nachdem alle Gruppen die Stationen durchlaufen hatten, war eine Mittagspause von 90 Minuten angesetzt, in der man sich in der Kantine stärken konnte. Um 13:45 Uhr mussten sich alle Bewerber wieder sammeln. Hier wurden 10 Bewerber aus dem Verfahren entlassen, da ihre Leistungen im Assessment-Center offenbar nicht ausreichend waren.

Der Sporttest

Die übrigen Bewerber durften sich zum Sporttest umziehen. Für die ersten beiden Stationen erhielt jeder Bewerber einen Blaumann zum Überziehen.

Die einzelnen Stationen des Sporttests:

  • Drehleitersteigen: Ohne Zeitvorgabe musste jeder Bewerber auf die knapp 20 Meter ausgefahren Drehleiter steigen. Natürlich gesichert!
  • Atemschutzstrecke: In Zweiertrupps wurde man anschließend in die Atemschutzstrecke geführt. Jeder Bewerber erhielt Atemschutzgerät, Maske (ohne Ausatemventil und somit ohne Atemwiderstand), Helm und Handschuhe. Bevor es in die Strecke ging, musste man 25x Hammerziehen (Gewicht ca. 20kg). Die Strecke selbst war dunkel, auch hier gab es aber keine Zeitvorgabe.
  • Parcours: Alle Bewerber sammelten sich dann in der Turnhalle, wo bereits der berühmt- berüchtigte Parcours aufgebaut war: Rundenlauf mit Sprung über jeweils 3 Langbänke im Abstand von ca. 2-3 m (8 Runden), Kombination aus Bocksprung und Bock-Durchkriechen (8 Runden), Wechselsprünge Langbank (20 ganze Wechsel), Achterlauf durch den Barren (8 mal) und am Schluss 8 Situps. Die maximale Zeit für den Parcours liegt bei 4 Minuten.
  • Turmsteigen: Genau 6 Minuten nach Beginn des Parcours beginnt die Übung im Turm. Je schneller man im Parcours ist, desto mehr Regenerationszeit hat man also. Hier müssen zwei volle C-Schlauchtragekörbe in max. 1:30 Min. in das 7.OG des Turms gebracht werden. Hier – wie auch beim Parcours – hilft irgendwann nur „Zähne zusammenbeißen“. Ab dem 5. OG hatte ich das Gefühl, das nicht zu schaffen. Die Beine brennen und die Arme werden länger und länger. Durchhalten zahlt sich aber aus – auch wegen des Skyline-Blicks vom Turm…;-)

Die Berufsfeuerwehr

Die Stationen 1 und 2 sind unproblematisch und auch für Bewerber, die bisher keine Feuerwehr- oder Atemschutzerfahrung haben, gut machbar. Wer Höhen- oder Platzangst hat, dürfte sich hier allerdings schwer tun. Für Parcours und Turm ist jedoch tatsächlich eine überdurchschnittlich gute Fitness erforderlich. Wer die Zeiten nicht erfüllt, wird aus dem weiteren Auswahlverfahren ausgeschlossen. Man hat übrigens natürlich die Gelegenheit, sich nach dem Sport zu duschen.

3. Das Vorstellungsgespräch

Wer den Sporttest erfolgreich abgeschlossen hatte, bekam die Uhrzeit, wann er sich am nächsten Tag zum Bewerbergespräch einfinden kann. Dies wird in den selben Räumlichkeiten im FRTC abgehalten. Ist man an der Reihe, so bekommt man zunächst 30 Minuten Zeit, sich vorzubereiten und eine Präsentation auszuarbeiten, die Fragen zum persönlichen Werdegang, zu den Motiven und beruflichen Zielen etc. umfasst.

Wichtig ist, dass am Schluss ein runder, alle Fragen umfassender Vortrag steht, den man der Kommission dann in 10-15 Minuten präsentiert. Als Hilfsmittel darf (sollte!) man auf Pinnwand und/oder Flipchart zurückgreifen. Anschließend erfolgt ein Gespräch mit der Kommission, die dem Bewerber Fragen stellt. Diese befassen sich ausschließlich mit den o.g. Themen.

In Frankfurt wird also weder Allgemein, Technik-/Fachwissen oder Wissen über die Dienststelle und die Stadt abgefragt! Allerdings bohren die „Prüfer“ schon sehr genau nach und wollen ein stimmiges Bild des Bewerbers sehen, das sie überzeugt. Am Ende hat man Gelegenheit, eigene Frage zu stellen. Uns wurde der Hinweis gegeben, sich schon am darauffolgenden Montag in der Personalabteilung über den Ausgang des Auswahlverfahrens erkundigen zu können.

Alles in allem fühlte man sich als Bewerber in Frankfurt gut aufgehoben und betreut. Es gab in den Räumen der Gruppenstationen und bei der Vorbereitung zum Gespräch Getränke und teilweise auch Süßigkeiten und Kekse. Die eingeplante Mittagspause und das Essen in der Kantine sorgen auch dafür, dass man sich vor dem Sporttest nochmal stärken und kurz durchatmen kann. Auch sonst war die Stimmung an dem Tag locker und angenehm!

Noch ein Tipp zum Parken: Es gibt am FRTC Besucherparkplätze, die bei meiner Ankunft leider schon voll waren. In der Straße ein paar Meter weiter fand ich jedoch an beiden Tagen leicht einen Parkplatz. Es empfiehlt sich, rechtzeitig da zu sein!